Texas: Gentechnisch verändertes Gras tötet Kühe?

Kälber auf der WeideWie der US-Nachrichtensender CBS berichtet, könnte genmanipuliertes Gras für den Tod einer Rinderherde in Texas verantwortlich sein. Die Tiere des Farmers Jerry Abel waren, wenige Stunden nachdem sie auf eine neue Weide gelassen wurden, qualvoll verendet.

Erste Tests zeigten, dass das Gras der Sorte “Tifton 85″ begonnen hatte, Cyanid zu produzieren. Das gentechnisch veränderte Futter ist bereits seit mehr als fünfzehn Jahren auf texanischen Wiesen im Einsatz. Experten befürchten, dass es nun, nach einer besonders lang anhaltenden Dürreperiode, zu Mutationen gekommen sein könnte.

Auch auf anderen Weiden in der Umgebung, auf denen “Tifton 85″ angepflanzt worden war, wurde Cyanid festgestellt. Zu weiteren Vergiftungen kam es jedoch nicht mehr, da die Farmer ihre Tiere von den betroffenen Feldern vernhalten. “Die Heuschrecken freuen sich drüber” kommentierte ein Farmer lakonisch.

Ob tatsächlich eine spontane Mutation für das plötzlich giftige Gras verantwortlich ist, muss noch abschließend geklärt werden. Es dürfte sich dabei jedoch um die wahrscheinlichste Erklärungsvariante handeln.

Bemerkenswert daran erscheint, dass der Mensch seit mehreren tausend Jahren Gras als Futtermittel für seine Nutztiere kultiviert. Grassorten werden schon seit Jahrhunderten gezielt gezüchtet und für das lokale Klima selektiert. Dass eine ansonsten völlig unauffällige Weide plötzlich Cyanid produziert und tödlich giftig wird ist aber neu. Die Tatsache, dass es sich bei dem Todesgras um ein Produkt der Gen-Industrie handelt, sollte die Alarmglocken läuten lassen.

Update: Die Hersteller von Tifto85 bestreiten, dass es sich bei der eingesetzten Variante um einen gentechnisch veränderten Organismus handelt. Nach ihren Angaben ist das Gras eine konventionell gezüchtete Hybridsorte. Viele GMO-Gegner begegnen dieser an und für sich klaren Aussage jedoch mit erstaunlicher Skepsis. Die Ursache dafür dürfte unter anderem in der teilweise recht eigenwilligen Argumentationskette einiger auffällig um Kalmierung bemühter Experten zu suchen sein.

So wurde in englischen Beiträgen etwa behauptet, die Vergiftungen seien garnicht auf Cyanid, sondern auf Blausäure (prussic acid) zurückzuführen. Ein recht seltsames Argument, wenn man weiß das Blausäure nichts anderes ist als Cyanwasserstoff, ein hochgiftiges Cyanid eben.

Auch das Argument, Tifton85 könne gar kein gentechnisch veränderter Organismus sein, weil es bereits seit fünfzehn Jahren angebaut würde, erstaunt. Zumindest wenn diese Behauptung von Fachleuten geäußert wird, welche wissen müssten, dass GMO’s bereits seit 1996 kommerziell zum Einsatz gelangen.

Für weitere Verwirrung sorgt, dass die betroffenen Farmer durchaus der Meinung gewesen zu sein scheinen, dass es sich bei Tifton85 um ein gentechnisch verändertes Produkt handelt. Der Eindruck, dass hier massiv mit “Nebelgranaten” geworfen wird, lässt sich nicht von der Hand weisen. Die Planet-Redaktion wird jedenfalls an dem Thema dranbleiben und (sobald sich die Faktenlage ein wenig gesetzt hat) weiter berichten.

 

Gefällt Ihnen unsere Arbeit? Glauben Sie, dass dieser Beitrag ein paar Euro wert war?
Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, den Planeten auch weiterhin zu finanzieren!

Deine Meinung ist uns wichtig

*